Handwerk trifft 2025
„Handwerk trifft“ beleuchtet Schulentwicklung und Nachwuchsgewinnung: Handwerk und Bildung im Dialog
Tuttlingen. Wie gelingt es, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern und ihnen Perspektiven im dualen Ausbildungssystem zu eröffnen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der neuesten Ausgabe des Formats „Handwerk trifft…“, zu der die Kreishandwerkerschaft Tuttlingen am 17. März ins Kulturzentrum „Alte Krematorium“ eingeladen hatte. Im Fokus: Die aktuelle Schulentwicklung und deren Auswirkungen auf die Fachkräftegewinnung im Handwerk und auch die aktuelle Diskussion um den Abschluss an der Werkrealschule.
In seiner Eröffnungsrede betonte Kreishandwerksmeister Bernd Simon die Bedeutung gut ausgebildeter Fachkräfte für die Zukunft des Handwerks: „Unsere 16 Innungen mit rund 660 Mitgliedsbetrieben und ca. 800 Auszubildenden leisten täglich ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Stärke der Region. Doch der wachsende Fachkräftebedarf macht deutlich: Wir brauchen eine solide schulische Grundbildung, um den Nachwuchs fit für die Ausbildung zu machen.“
Mit Blick auf die aktuellen PISA- und IQB-Studien, die alarmierende Defizite bei den Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik belegen, mahnte Simon strukturelle Reformen an. Er machte deutlich, dass fehlende Grundkenntnisse in vielen Betrieben eine große Herausforderung darstellen.
Ein Thema Podiumsdiskussion war dabei die Frage nach der verbindlichen Grundschulempfehlung. Eine Lenkung der Schülerströme auf Basis von objektiven Leistungsbeurteilungen um Schülerinnen und Schüler auf den für sie passenden Bildungsweg zu bringen, sei es das Gymnasium, die Realschule oder Werkrealschule. Hier wurde ausdrücklich betont, dass die Werkrealschule erhalten bleibt und die Übergänge unter den einzelnen Schularten der weiterführenden Schulen auch jetzt schon funktionieren.
Ein weiteres Diskussionsthema war die Verzahnung von Schule und Praxis. Hier wurde klar, dass von den allgemeinbildenden Schulen und auch dem Handwerk schon jetzt viel getan wird. Praktikumstage, Praktikumswoche, Besuch von Ausbildungsbörse und schulinternen Veranstaltungen und vieles mehr. Das alles soll dazu beitragen das die duale Ausbildung im Handwerk durchaus auch als bessere Alternative zu einer weiteren schulischen Laufbahn angesehen wird. Man war sich einig das im Handwerk, auch ohne Abitur hervorragende Perspektiven geboten werde. Der Neubau der Werkstätten an den beruflichen Schulen ist ein Baustein zur Aufwertung der dualen Ausbildung.
Abschließend dankte Kreishandwerksmeister Bernd Simon den Diskutanten und nannte ein Appell an Politik, Schule, Ausbildungsbetrieb aber auch Eltern: Mit einer echten Wertschätzung für berufliche Bildung, einer verbesserten Schulstruktur und enger Kooperation aller Beteiligten können wir den benötigten Nachwuchs fürs Handwerk sichern.
Informationen zu Praktikums- und Ausbildungsplätzen im Handwerk des Kreis Tuttlingen sind unter www.handwerk-tuttlingen.de erhältlich.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten Matthias Funk-Baumgärtner; Schulleiter (Ludwig-Uhland Realschule Tuttlingen), Kreishandwerksmeister Bernd Simon, Dominik Gross, Schulleiter (Schillerschule Tuttlingen; Werkrealschule), Susanne Galla Schulleiterin (Ferdinand von Steinbeiß Gewerbeschule Tuttlingen) sowie der Geschäftsführer Bildung und Arbeit von Handwerk BW, Patrick Wolf, gemeinsam über Herausforderungen und Lösungsansätze (von links nach rechts).

