Handwerk trifft 2026
Die Kreishandwerkerschaft Tuttlingen hat erneut zum Austauschformat „Handwerk trifft …“ eingeladen. Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk, Politik, Wirtschaft und Bildung nutzten die Gelegenheit, um über aktuelle Herausforderungen, das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie die Rolle des Handwerks bei der Energiewende zu diskutieren.
Den Auftakt machte Kreishandwerksmeister Bernd Simon. In seinem Input sprach er zentrale Herausforderungen für das Handwerk im Landkreis Tuttlingen an. Seit vielen Jahren zählt dazu die Gewinnung von Auszubildenden. Hierzu wurden einige Veranstaltungen durchgeführt. Unter anderem die Teilnahme an der Ausbildungsbörse von PRO TUT mit einem Gemeinschaftstand von Innung auf einer Fläche von 200 m2 auf dem das Handwerke „erlebbar und begreifbar“ gemacht wurde. Auch dieses Jahr wird die Fläche wieder vom Handwerk gefüllt. Die Weiterbildung der Mitarbeitenden bildet eine zentrale Aufgabe für die Innungen. Zahlreiche Veranstaltungen von der Arbeitsschutz-Unterweisung bis zu fachlichen Themen wurden von der Kreishandwerkerschaft und den Innungen organisiert. Der Kreishandwerksmeister führte aus das, mit über 1000 Betrieben im zulassungspflichtigen Bereich mit 14000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 2,5 Mrd. EUR sich das Handwerk nicht vor den Globel Playern im Kreis Tuttlingen verstecken müsse. Das Handwerk bietet sichere Arbeitsplätze mit hohen Verdienstmöglichkeiten und guten Aufstiegschancen. Leider wandern immer noch zu viele im Handwerk ausgebildete Arbeitskräfte im Laufe ihres Berufslebens in andere Branchen ab. Darunter eben auch in die Bauhöfe und Einrichtungen der Kommunen. Auch deshalb lag der Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem Sondervermögen das die Städte und Gemeinde im Kreis Tuttlingen in den nächst Jahren erhalten werden. Bernd Simon hat den Wunsch zur stärkeren Teillosevergabe und vermehrten beschränkten Ausschreibungen bei Bauprojekten. Hiermit könnten die Kommunen das regionale Handwerk unterstützen. Überregionale Unternehmen sind nach Ausführung und spätestens nach Ablauf der Gewährleistungen nicht mehr greifbar. Dann wird auf die regionalen Betriebe zurückgegriffen werden. Die Aufträge mit dem großen Volumen sind dann aber weg. Simon verwies aber auch auf die dennoch ausgesprochen gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und dem örtlichen Handwerk. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen zu spüren.
Susanne Irion, Bürgermeisterin der Stadt Trossingen und Vorsitzende des Kreisverbandes Tuttlingen im Gemeindetag Baden-Württemberg, erläuterte anschaulich und zugleich kritisch, welche Chancen sich aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastrukturinvestitionen ergeben. Aus dem 100-Milliarden-Euro-Programm, das der Bund den Ländern zur Verfügung stellte, wurden in Baden-Württemberg rund zwei Drittel an die Kommunen weitergeleitet – zweckgebunden für investive Maßnahmen. Die Herausforderungen seien jedoch groß, so Irion. Im Landkreis stünden beispielsweise Großprojekte wie die Sanierung der Klinik sowie die Modernisierung der Berufsschule an. In Trossingen selbst seien unter anderem die Sanierung des Rathauses und des Gymnasiums geplant. Fast jede Kommune habe ihre Projekte schon in der Schublade. Ihr Fazit: Das Infrastrukturprogramm könne helfen, große Projekte leichter zu stemmen. Es löse jedoch nicht die strukturellen Probleme der Städte und Gemeinden. Vielmehr helfe es vor allem dabei, rückläufige Einnahmen der Kommunen abzufedern. „Tiefgreifende Reformen sind notwendig“, betonte die Bürgermeisterin.
Mit Blick auf das Handwerk unterstrich Irion zudem, dass bereits heute rund 70 Prozent der öffentlichen Aufträge der Stadt Trossingen an regionale Handwerksbetriebe vergeben werden – und dass dies auch künftig so bleiben solle. Die Sorge, dass die Mittel aus dem Infrastrukturprogramm überwiegend an große Unternehmen aus anderen Regionen oder aus dem Ausland fließen könnten, räumte sie damit aus.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Tobias Bacher, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gGmbH. In seinem Vortrag ging es um die kommunale Wärmeplanung, die laut Klimastrategie des Bundes bis spätestens 2028 von allen Kommunen vorgelegt werden muss. Darin soll festgelegt werden, welche Technologien und Energieträger sich in den jeweiligen Regionen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung eignen.
Er betonte aber auch dass die Wärmeplanung nicht mit dem Bau eines Wärmenetzes gleichgesetzt werden kann. Herausforderungen bestünden vor allem in kleineren Gemeinden wo die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetz genau hinterfragt werden muss. Auch bei individueller Gebäudeheizung können heute klimaneutrale Lösungen umgesetzt werden. Gleichzeitig entstehe ein hoher Beratungsbedarf, den Vielfach die Handwerksbetriebe zu leisten hätten. Die Klimaschutz und Energieagentur SBH unterstützt die Eigentümerinnen und Eigentümern von Gebäuden mit teils kostenlosen Vorabberatungen sehr gern. Zum Abschluss verwies Tobias Bacher er darauf, dass Fördermittel für Maßnahmen zur klimaneutralen Gebäudesanierung aktuell bis 2029 gesichert seien.
Dass das Handwerk eine zentrale Rolle für die Zukunft spielt, zog sich als roter Faden durch die Veranstaltung. Auch Handwerkskammerpräsident Werner Rottler betonte die Bedeutung der Branche für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Nach der Landtagswahl komme es nun darauf an, keine zusätzlichen Hürden aufzubauen, sondern mittelstandsfreundliche und bürokratiearme Rahmenbedingungen für das Handwerk zu schaffen. Dazu zählten etwa flexiblere Arbeitszeitmodelle und vereinfachte digitale Verwaltungsprozesse. Zugleich unterstrich Rottler die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts: „Wenn wir etwas bewegen wollen, dann nicht als Solisten, sondern als gemeinsames Ensemble.“


