Handwerk trifft - Austausch für das regionale Handwerk, Politik und Institutionen
Mit diesem neuen Format möchte die Kreishandwerkerschaft Tuttlingen zukünftig für das regionale Handwerk, Politik sowie Institutionen ein angeregten Austausch zu verschiedenen Themen anbieten.
Der diesjährige Schwerpunkt galt der derzeitigen Energiekrise, sowie handwerkspolitische Themen. Neben zahlreichen Gästen, war der Landtagsabgeordnete Guido Wolf sowie der Präsident der Handwerkskammer Konstanz Werner Rottler der Einladung gefolgt.
In seiner Begrüßungsrede sprach Kreishandwerksmeister Bernd Simon von großen Herausforderungen für das Handwerk. Mit der Energiekrise und dem Fachkräftemangel steht das Handwerk zusätzlich vor zwei großen Herausforderungen. Besonders betroffen sind davon vor allem Bäckereien und Metzgereien. In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Präsindenten Werner Rottler, dem stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung Tuttlingen-Rottweil Marc Schneckenburger sowie Kreishandwerksmeister Bernd Simon wurde dies nochmals konkret thematisiert.
Im Umkreis von 60 Kilometern seien ihm 25 Verkaufsstellen angeboten worden. „Das ist schon ein Zeichen“, warnt Schneckenburger. Freuen kann er sich darüber nicht. Konkurrenz würde dem Geschäft gut tun, erklärt er.
Diese Zahl löste unter den Teilnehmern der Veranstaltung „Handwerk trifft...“, zu der die Kreishandwerkerschaft Tuttlingen ins Kulturhaus Altes Krematorium eingeladen hatte, große Bestürzung aus. So auch bei dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Uwe Schmidt – obwohl er mit dieser Entwicklung gerechnet habe. Angesichts dieser erschreckenden Lage beklagt Schmidt im Nachgang vor allem eine Sache: „Zu wenige Politiker.“
Kreishandwerksmeister fordert Politik zu Unterstützung auf
Dabei nahm der Kreishandwerksmeister Bernd Simon die Politik in seiner Rede ausdrücklich in die Pflicht: „Wir können es nicht zulassen, dass Betriebe ohne eigenes Verschulden zumachen müssen.“ Um das zu verhindern, müsse man alle Möglichkeiten nutzen. Deswegen fordert er unbürokratische sowie schnelle Hilfe für die Betriebe und: „Die Gasumlage muss weg“.
Der Präsident der Handwerkskammer Konstanz, Werner Rottler, forderte Steuerentlastungen. Jeder vierte Handwerksbetrieb könnte in den nächsten Monaten schlimmstenfalls vor der Schließung stehen, warnt Simon. Einsparungen seien schließlich nicht nur für Bäckereien kaum möglich, erklärt Marc Schneckenburger und bekräftigt: „Ich kenne keinen Handwerksbetrieb, der an Rohstoffen spart.“
Auch der Fachkräftemangel war – ohne, dass er als solcher bezeichnet wurde – bestimmendes Thema. In Tuttlingen gebe es 100 freie Ausbildungsplätze. Um diese zu besetzen, müsse ein Umdenken her, fordert der Kreishandwerksmeister. Dafür möchte er mit den Schulen ins Gespräch kommen. „Das Ziel kann nur erreicht werden, wenn Schulen und Eltern das zulassen“, stellt Simon klar.
Denn er weiß: „Fachkräfte sind ein rares Gut.“ Um dies anzusprechen, hätten viele Betriebe bereits Maßnahmen wie die Vier-Tage-Woche ergriffen. Zudem biete das Handwerk bereits jetzt viele Vorteile, sagt Simon. Kein Wirtschaftsbereich sei so abwechslungsreich wie das Handwerk.
Zudem sei es auch finanziell attraktiv. Simon verweist auf eine Studie eines Tübinger Instituts, das von vom Baden-Württembergischen Handels- und Industriekammertag in Auftrag gegeben wurde. Demnach verdienen abgeschlossene Meister bis zum Alter von 61 Jahren durchschnittlich mehr als Menschen mit abgeschlossenem Studium.
„Das Handwerk ist Champions League, nicht Zweite Liga“, wirbt Simon daher. Dass sich dennoch viele junge Menschen gegen eine Ausbildung entscheiden, führt Simon auf den „Akademisierungswahn“, der in Deutschland vorherrsche, zurück.
Der Kreishandwerksmeister sieht auch die Gleichstellung von dualer Ausbildung und akademischem Studium als notwendigen Schritt an und stellte auch die Möglichkeit von Pflichtpraktika zur Debatte.






